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Tipps zum Helfen

Wenn Sie Gewalt an Kindern beobachten oder vermuten, können und müssen Sie helfen. Schauen Sie auch nicht weg, wenn Sie in Ihrer unmittelbaren Umgebung, im engeren oder weiteren Bekanntenkreis beobachten oder vermuten, dass einem Kind Gewalt angetan wird.

Die folgenden Punkte sind als Orientierungshilfe für den Umgang mit Gewalt an Kindern gedacht:

Welche Formen von Gewalt an Kindern gibt es?

Gewalt an Kindern findet nicht nur im öffentlichen Bereich statt, sondern vor allem in der Familie. Sie wird täglich in scheinbar intakten Familien von Familienangehörigen begangen.

Gewalt an Kindern gibt es in vielen Formen:

  • körperliche Gewalt
  • Vernachlässigung
  • psychische Gewalt
  • sexueller Missbrauch

Die Übergänge sind oft fließend. Gewalt in jeglicher Form ist immer Unrecht und selbstverständlich auch in der Familie strafbar. Gewalt im sozialen Nahfeld findet in allen Gesellschaftsschichten und in jedem Lebensalter statt.

Körperliche Gewalt

Die Formen von körperlicher Gewalt sind vielfältig. Körperliche Misshandlung kann bei der "ausgerutschten Hand" beginnen, aber auch vorsätzliches Zufügen von Schmerzen sein.

Vernachlässigung

Vernachlässigung liegt dann vor, wenn die physischen oder psychischen Bedürfnisse von Kindern von der Familie nicht oder nur unzulänglich befriedigt werden.

Psychische Gewalt

Bei psychischer Gewalt sind Kinder wiederholt verbaler Gewalt oder einer anderen Form von seelischem Druck ausgesetzt (z.B. Leistungsdruck, Beschimpfung, Demütigung, Bedrohung). Körperliche Reaktionen sind nicht auszuschließen (z.B. Depressionen, große Nervosität, Schlafstörungen, Einnässen).

Sexueller Missbrauch

Sexueller Missbrauch ist, wenn sich Erwachsene oder ältere Jugendliche bewusst und absichtlich am Körper eines Kindes befriedigen oder sich von einem Kind befriedigen lassen. Dazu zählen Blicke, Bemerkungen und Berührungen, auch jene die jemand an sich selbst durchführen lässt, exhibitionistisches Verhalten, aber auch, wenn einem Kind pornographisches Material gezeigt wird, wird es sexuell missbraucht.

Sexuelle Gewalt ist körperliche und psychische Gewalt. Das Kind wird Objekt und Opfer eines Missbrauchs von Vertrauens- und Autoritätsverhältnissen. Nur durch das Vertrauen und den Schutz, den Kinder genießen, können sie sich entfalten. Sexueller Missbrauch stellt daher auch eine schwere Gefährdung für die Entwicklung eines Kindes dar.

Sexualmissbrauch ist immer Machtmissbrauch. Kinder können sich aufgrund ihrer körperlichen, geistigen, emotionalen und sozialen Entwicklung noch nicht gegen Übergriffe von Erwachsenen zur Wehr setzen. Es ist ihnen unmöglich, die Tragweite von Handlungen zu erfassen oder ihnen vollbewusst zuzustimmen (d.h. auch wenn eine Täterin/ein Täter sich die Zustimmung seines Opfers einholt, ist seine Handlung strafwürdig).

ACHTUNG

Wenn Sie auf einer Webseite oder in einer Newsgroup Texte oder Bilder entdecken, die Sie als "Kinderpornografie" bezeichnen würden, melden Sie dies bitte bei der Meldestelle Kinderpornografie.

Woran kann wahrgenommen werden, dass Gewalt an Kindern ausgeübt wird?

Körperliche Gewaltausübungen hinterlassen oft sichtbare Spuren am Körper des Opfers. Doch Vorsicht: Verletzungen müssen nicht unbedingt ein Hinweis auf Gewalt sein!

Vernachlässigung kann zu körperlichen Reaktionen des Kindes, aber auch zu psychischen Erkrankungen führen.

Kein Verhalten beweist mit Sicherheit sexuellen Missbrauch, eindeutige Symptome gibt es nicht. Eines ist aber sicher: Jeder Missbrauch ruft beim Kind Verhaltensänderungen hervor.

Die nachstehenden Anzeichen können auf eine Gewaltanwendung hinweisen:

  • Kinder machen Andeutungen.
  • Deutliche Verhaltensänderungen sind zu erkennen (Kinder werden besonders ruhig oder lebhaft, weinerlich, aggressiv, anhänglich, abweisend etc.).
  • Kinder weigern sich, am Turn- und Schwimmunterricht teilzunehmen; sie wollen sich nicht vor anderen umziehen.
  • Kinder haben eine Abneigung gegen Berührungen.
  • Kinder werden plötzlich von Alpträumen geplagt, plötzliches Einnässen, Nägelbeißen und Selbstverletzungen treten auf.
  • Versteckte oder offene sexualisierte oder gewaltgeprägte Äußerungen beim Spielen fallen auf.
Achtung:

Das Vorliegen solcher Anzeichen kann, muss aber nicht auf Gewalt am Kind hindeuten! Es ist daher wichtig, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Verhaltensänderungen des Kindes oder körperliche Symptome können auch durch andere (familiäre) Ereignisse begründet sein.

TIPP
Zögern Sie nicht, die Unterstützung spezialisierter öffentlicher oder privater Kinderschutzeinrichtungen in Anspruch zu nehmen!

Auf dem Portal "gewaltinfo.at" finden sich umfassende Informationen, die dabei helfen sollen, Gewalt zu erkennen und für sich selbst oder für andere Hilfe zu holen.

Die Broschüre "(K)ein sicherer Ort" informiert umfassend zum Thema sexuelle Gewalt an Kindern.

Wie schütze ich (m)ein Kind? (Prävention)

Es ist wichtig, Kinder über ihre Rechte aufzuklären, sie zu selbstbewussten und selbstständigen Persönlichkeiten zu erziehen. Dies obliegt nicht nur den Eltern, sondern auch Kindergärtnerinnen/Kindergärtnern bzw. Lehrerinnen/Lehrern etc.

Mögliche Maßnahmen zur Prävention:

  • Umfassende, altersadäquate Sexualerziehung (das Kind soll über seinen Körper Bescheid wissen)
  • Vermitteln Sie dem Kind, dass es über sich selbst, den eigenen Körper, bestimmen kann.
  • Sprechen Sie schon bei kleinen Kindern deutlich und klar aus, was Missbrauch (Gewalt) ist.
  • Kinder müssen wissen, dass sie ihren Gefühlen vertrauen können – auch dass sie anders fühlen können und dürfen als ihre Eltern.
  • Vermitteln Sie dem Kind, dass jeder Mensch das Recht hat, "Nein, ich will nicht" zu sagen.
  • Vermitteln Sie dem Kind, dass es niemals schuldig ist, wenn ihm Gewalt angetan wird.
  • Machen Sie dem Kind begreiflich, dass jede Täterin/jeder Täter sein kann. Hier ist es allerdings sehr wichtig, das Kind nicht zu verängstigen, sondern es auf Gefahren aufmerksam zu machen.
  • Nehmen Sie das Kind mit seinen Äußerungen ernst, und fördern Sie das Mitteilungsbedürfnis des Kindes. Berichtet ein Kind von Übergriffen, so ist es uneingeschränkt ernst zu nehmen, und nichts ist als Lüge, Phantasie oder Bagatelle abzutun. Die Bereitschaft, Kindern grundsätzlich zu glauben, ist das oberste Prinzip bei der Aufdeckung von sexuellem Missbrauch!

Was Kinder wissen müssen, wenn sie alleine unterwegs sind:

  • Von fremden Leuten kein Geschenk annehmen
  • Nicht mit fremden Leuten mitgehen
  • Nicht in ein fremdes Auto einsteigen
  • Einsame Wege und Plätze meiden
  • Bei Verfolgung auf belebte Plätze flüchten und bei Erwachsenen Hilfe suchen
  • Keine fremde Person in die Wohnung lassen
  • Per Telefon keine Auskunft über Familienangelegenheiten weitergeben

Erziehung – Gewalt ist keine Lösung

Das Erziehen von Kindern ist nicht einfach. Berufliche Schwierigkeiten, Probleme mit der Partnerin/dem Partner oder als Alleinerzieherin/Alleinerzieher, schulische Probleme des Kindes oder die Pubertät können oft zu einer großen Belastung werden, der nicht jeder/jede Erwachsene gewachsen ist.

Die klassische "ausgerutschte Hand" oder andere "Züchtigungsmethoden" sind keine geeigneten Erziehungsmittel. Denn Gewalt, in welcher Form auch immer, ist niemals zielführend und auch gesetzlich untersagt. "Kinder haben ein Recht" auf gewaltfreies Aufwachsen!

Geschlagene Kinder

  • haben Angst vor den Eltern,
  • verlieren ihr Vertrauen in die Eltern,
  • haben ein geringes Selbstwertgefühl und
  • werden oft aggressiv oder völlig gehemmt.

Hinweis: Angst vor den Eltern ist einer positiven Kommunikation abträglich und hemmt unter Umständen die Lernfähigkeit und Entwicklung des Kindes.

Wenn man sich mit seinen Problemen allein gelassen fühlt und gestresst ist, sollte man Hilfe von außen in Anspruch nehmen:

  • Sichern Sie sich zeitweise eine "Verschnaufpause". Bitten Sie Verwandte, Bekannte oder Freundinnen/Freunde, Ihnen ab und zu Ihr Kind abzunehmen.
  • Zahlreiche Institutionen sind darauf spezialisiert, bei Familien- und Erziehungsproblemen und wirtschaftlichen Krisensituationen kompetente Hilfe anzubieten. Nutzen Sie das vielfältige Angebot an kostenlosen und anonymen Beratungsstellen.
  • Nutzen Sie Angebote der Elternbildung, die vielfältige Informationen zu Erziehungsfragen bieten, noch bevor Probleme auftreten.
TIPP
Nützliche Tipps finden Sie auch in den Elternbriefen (Online-Bestellung möglich) des Bundesministeriums für Wirtschaft, Famillie und Jugend. Auf der Website "www.eltern-bildung.at" finden Sie Informationen über Elternbildungsangebote.
TIPP
Für Krisenberatung in Wien steht Ihnen die Servicestelle der MA 11 (Amt für Jugend und Familie) unter der Telefonnummer 4000-8011 zur Verfügung.

Weitere Informationen, wichtige Tipps und Telefonnummern finden sich auf HELP.gv.at  "Weiterführende Links zu Beratung und Hilfe".

Stand: 01.01.2012
Hinweis .
Abgenommen durch:
Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend
Transparente Grafik zwecks Webanalyse

Quelle: HELP.gv.at

Logo HELP.gv.at

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